Freundschaftsgesellschaft Meissen-Arita/Japan e.V.
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Der Japaner von Meißen
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Kay Leonhardt(sz-online vom 09.01.2012)

Von Jürgen Müller

Der Künstler Kay Leonhardt hat eine außergewöhnliche Beziehung zum Land der aufgehenden Sonne.

Ein "bisschen Japan" geht nicht. entweder man liebt das Land und man findet keinen Zugang. "Ich liebe Japan, weil es dort so viele interessante Widersprüche gibt", sagt Kay Leonhardt. Der Designer und Künstler muss es wissen. Seine Liebe zum Land der aufgehenden Sonne ist schon zu DDR-Zeiten erwacht. Damals, als er an der Kunsthochschule in Halle auf Burg Giebichenstein Gefäßgestaltung studierte und als Diplom-Designer abschloss. "Unsere Koryphäen, die Professoren, die immer mal nach Japan fuhren, haben mich neugierig gemacht auf dieses Land. Ich hatte mehr Informationen über Japan als der normale DDR-Bürger", sagt der 46-Jährige. Auch durch seine Arbeit in der Porzellan-Manufaktur, die er aufnahm, um studieren zu können, bekam er viel von Japan mit.

Als er 1984 auf der Meißner Albrechtsburg eine Ausstellung "Porzellane aus Arita" besuchte, da stand für ihn fest: Da musst du unbedingt mal hin. Doch Japan war fern, sehr fern für den Abiturienten, nicht nur an Kilometern. Das änderte sich schlagartig nach der Wende. 1994 bekam er vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ein Stipendium, durfte ein Jahr in Japan arbeiten. Dadurch kam er nicht nur nach Tokio, sondern auch nach Arita, Meißens Partnerstadt. Es traf sich gut, dass im gleichen Jahr die deutsch-japanische Freundschaftsgesellschaft Meißen-Arita gegründet wurde. Kay Leonhardt ist ein Gründungsmitglied, obwohl er damals nicht in Meißen lebte. Seit 2002 ist er der Vorsitzende der Gesellschaft.

Ein großer Traum wird wahr

Insgesamt drei Jahre hat der Designer bisher in Japan verbracht, beruflich und durch Reisen mit der Freundschaftsgesellschaft. 2001 wurde für ihn ein großer Traum wahr. Er erhielt am Ceramic College in Arita eine Gastprofessor. Die Einladung kam typisch Japanisch per Fax. Ob er sich vorstellen können, diese Stelle anzutreten, hieß es da lapidar. Er konnte und flog hin. "Meine schönsten und spannendsten Jahre habe ich in Japan verbracht", sagt er.

In dieser Zeit hat er mehr als einmal darüber nachgedacht, seinen Lebensmittelpunkt zu verlegen, auf Dauer in Japan zu bleiben. Und entschied sich wegen der Familie doch anders. Schließlich war Tochter Hanna gerade erst geboren. So kehrte er nach einem Jahr zurück. Drei hätte er bleiben können. Doch seine damalige Lebensgefährtin wollte nicht mit. Die Rückkehr hat nicht geholfen, die Beziehung ging in die Brüche. Hat er bereut, vorzeitig nach Meißen zurückgekehrt zu sein? "Nein", sagt er ohne zu Zögern. "Dann hätte ich meine Glücks-Gaby nie gefunden", so Kay Leonhardt.

Stolz ist er auf die Städtepartnerschaft zwischen Meißen und Arita, die es seit 1979 gibt. Es ist die erste und einzige einer ostdeutschen Stadt mit einer japanischen. Und sie hält bis heute, dank auch der Freundschaftsgesellschaft und des Jugendaustausches, der 2011 zum 20. Mal stattfand. "So eine Partnerschaft steht und fällt mit engagierten Menschen auf beiden Seiten, die das mit Herzblut betreiben", sagt er.

Obwohl er lange Zeit in Japan lebte, ist er der schwierigen Sprache nur bedingt mächtig. "Ich kann mich verständigen, komme zurecht, würde aber gern besser Japanisch sprechen", sagt er. Was schon allein wegen der vielen lokalen Färbungen schwierig ist. Worte, die zum Beispiel in Meißens Partnerstadt Arita gebräuchlich sind, werden in Tokio noch lange nicht verstanden.

Japanische Mentalität

Kay Leonhardt liebt an Japan nicht nur die schöne Landschaft, Design und Kochkunst, sondern vor allem die Menschen, die Künste und die Genüsse, die das Land auszeichnen. Die Freundlichkeit und Höflichkeit und dass die Familie dort einen so hohen Stellenwert hat. Mehrere Generationen wohnen meist unter einem Dach. "Kontakte und Beziehungen, die man einmal hat, halten ein Leben lang", sagt er.

Kay Leonhardt versteht mittlerweile die japanische Mentalität, die Eigenart, Probleme aus Rücksicht auf den anderen nicht auszudiskutieren. Eine der beiden Seiten könnte ja dann ihr Gesicht verlieren. "Das fällt mir manchmal schwer, aber man muss sich damit arrangieren", sagt er. Im "Land der aufgehenden Sonne" ist nicht alles Gold, was glänzt. Negative Dinge aufzuzählen, fällt ihm trotzdem schwer. "Da kommt jetzt meine japanische Mentalität durch, da sage ich lieber nichts." Und er lächelt dabei.

Im Dezember vorigen Jahres erhielt Kay Leonhardt eine besondere Auszeichnung, den Deutsch-Japanischen Freundschaftspreis. Eine Ehrung, auf die er sehr stolz ist. Jeweils 75 Menschen aus Japan und aus Deutschland wurden damit von der Robert-Bosch-Stiftung und dem japanischen Unternehmen BIG-S International ausgezeichnet. Die Zahl steht symbolisch für einen Vertrag, der seit 150 Jahren besteht. 1861 wurde zum ersten Mal zwischen Deutschland und Japan ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag unterzeichnet. Verliehen wurde die Auszeichnung in den japanischen Botschaft in Berlin. Neben der Urkunde gab's ein Flugticket in das jeweils andere Land. Kay Leonhardts nächste Japan-Reise ist also schon gebongt. Es wird mit Sicherheit nicht die letzte sein.

Foto: © privat

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