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Japaner singt für Meißen
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Toru Onuma(SZ vom 17.06.2011)

Herr Onuma, wie haben Sie in Meißen, fern von Ihrer Heimat, das Erdbeben und die Katastrophe in Fukushima erlebt?

Erdbeben gibt es bei uns in Japan häufig, deswegen war ich zuerst gar nicht so beunruhigt. Mein Vater, der in Iwaki in Fukushima lebt, wurde rechtzeitig evakuiert, und auch dem Rest meiner Familie geht es gut. Trotzdem konnte ich mich den ersten Monat nach der Katastrophe nicht auf meinen Gesang konzentrieren. Nur eine Frage hat mich die ganze Zeit beschäftigt, warum mussten so viele Menschen sterben. Am 11. März, am Tag des Erdbebens, habe ich bei Hartmut Kretzschmann, meinem Lehrer, die Kantate „Seelig sind die Toten“ aus „Ein Deutsches Requiem“ von Brahms gehört. Am Ende des Stückes hat mich mein Lehrer fest umarmt. Ich habe dieses Stück in den vergangenen Monaten noch oft angehört und war in meinen Gedanken immer bei den Menschen in Japan.

In den deutschen Medien erfährt man inzwischen nur noch wenig über die Situation in Fukushima. Wie geht es aber heute den Menschen in Ihrer Heimat?

Ich habe von Freunden und Bekannten aus Iwaki, meiner Geburtsstadt, gehört, dass die Menschen überall mit Aufräumen beschäftigt sind. Wie lange das dauern wird, wissen wir nicht. Mein Cousin arbeitet in dem ersten Reaktor in Fukushima. Meine Familie und ich sind in Gedanken bei ihm, wir haben ihn bisher noch nicht fragen können, wie es ihm geht. Natürlich haben wir Angst vor den Folgen der Atomkatastrophe, besonders für unsere Kinder. Die Menschen in Japan akzeptieren was geschehen ist. Unser Blick richtet sich in die Zukunft.

Sie sind nicht zum ersten Mal in Deutschland. Seit vergangenem November leben Sie in Meißen. Warum Meißen?

Ich habe 2002/03 in Berlin Deutsch studiert. Privat habe ich zu dieser Zeit bei Hartmut Kretzschmann und seiner Frau Sieglinde Wiegand Gesangsunterricht genommen. Ich wollte meinen Unterricht bei ihnen weiterführen und bin den beiden deshalb im vergangenen November nach Meißen gefolgt.

Wie gefällt Ihnen Meißen?

Es ist ganz anders als die Städte, die ich von zu Hause kenne. Die Stadt macht den Eindruck, als könnte jeden Moment der Rattenfänger von Hameln auftauchen. Ich fühle mich wie im Märchen.

Sie werden am Sonntag im Gewölbekeller des Domstifts ein Konzert geben. Was hat Sie dazu angeregt?

Als der Schock über das Unglück in Fukushima langsam nachließ und es mir wieder besser ging, wollte ich etwas tun und den Menschen meine Dankbarkeit für das Mitgefühl, das ich hier in Meißen erfahren habe, ausdrücken. Mein Konzert soll die Hoffnung der Japaner in ihre Zukunft ausdrücken, gleichzeitig ein Dank an die Menschen in Meißen für ihre Solidarität und Hilfe sein.

Was erwartet die Zuhörer bei Ihrem Dankes-Konzert?

Die Musikstücke, die ich singen werde, thematisieren Zweifel, Hoffnung, Liebe und Glaube. Dies sind alles Gefühle, die uns in schwierigen Zeiten bewegen und uns die Kraft geben, auch nach einer Katastrophe wie in Fukushima nach vorn zu blicken.

Ich werde mein Konzert mit einem japanischen Musikstück beginnen. Es heißt „Am Strand“. Ich verbinde mit diesem Lied die Tage, die ich als Kind am Meer bei Iwaki verbracht habe. Das Schlussstück wird „Der Weg“ aus Japan sein. Es charakterisiert für mich unser Leben.

Gespräch: Stephanie Ehlers

Das Dankes-Konzert findet am 19. Juni um 16.30 Uhr im Gewölbekeller des Hochstifts Meißen am Domplatz 7 statt. Eintritt frei.

Foto: © Claudia Hübschmann

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